Bildung und Schule
Bildung ist eine zentrale Aufgabe für das 21. Jahrhundert. Die Schule ist ein wichtiger Ort für die gesamte Gesellschaft. Die Rolle der Eltern ist dabei zentral, die Schule kann deren Aufgabe nicht übernehmen. Politische Entscheidungen sind aber so zu treffen, dass Eltern ihrer Erziehungsaufgabe optimal nachkommen können. Kindern und Jugendlichen soll eine von ihrer sozialen, gesellschaftlichen und regionalen Herkunft unabhängige Schullaufbahn ermöglicht werden, die auf den jeweiligen Talenten, Interessen und Fähigkeiten aufbaut.
Dieses Ziel ist durch die Beibehaltung des zweigliedrigen Systems, jedoch durch Verstärkung der Sprachförderung im frühkindlichen und Vorschulbereich und den Ausbau der Unterstützungssysteme im Pflichtschulbereich (Volksschulpaket, Ressourcen für Schulen mit besonderen Herausforderungen) sowie durch eine Verbesserung des Aufnahmeverfahrens im Gymnasium zu erreichen.
Schwerpunkte
Um die Gemeinden zu entlasten und elementarpädagogische Angebote bedarfsgerechter gestalten zu können, braucht es gewisse einheitliche Qualitätsstandards. Um den guten Einstieg in die Pflichtschule zu gewährleisten soll eine frühe Sprachförderung nach Qualitätsstandards forciert werden, dabei ist die Mitwirkungspflicht der Eltern einzufordern. Es sind mehr Ressourcen zur Deutschförderung erforderlich.
Schüler, deren Pflichtschulabschluss gefährdet ist, müssen verpflichtend und positiv gefördert werden. Da die Infrastruktur der Schulen von den Gemeinden abhängt, müssen diese dabei unterstützt werden, Schulen auch im ländlichen Raum nachhaltig zu sichern. Der Wohnort der Eltern darf nicht über die Bildungslaufbahn der Kinder entscheiden. Die stark gestiegene Zahl privater Pflichtschulen mit Schulgeld, insbesondere im Vorarlberger Unterland, ist eine Herausforderung für die Qualität der staatlichen Schulen und somit eine Gefährdung des Prinzips des kostenlosen Schulbesuches. Schulen müssen weiter administrativ entlastet werden und mehr Unterstützungspersonal bekommen. (Fachkräfte für soziale Arbeit, Erziehende, Lerntrainer etc.)
Das „Vorarlberger Volksschulpaket“ ist ein wichtiger erster Schritt zur Verbesserung der individuellen Fördermöglichkeiten in der Grundstufe I. So kann das
Lehrpersonal von Beginn an besser auf die individuellen Lernbedürfnisse der Erstklässler eingehen. Eine Volksschule ist keine Erziehungsanstalt, die Kernaufgabe der Volksschule muss es sein, die Grundfertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen bis zum Ende der Primarstufe allen Schülern zu vermitteln. Die Sprachförderklassen benötigen mehr Ressourcen und sollen in die Schulautonomie übergeben werden.
Zur Attraktivierung der Mittelschulen sind Spezialisierungen (Sport-, Musik-, Kreativmittelschulen, MINT, etc.) zu forcieren.
Die Mittlere Reife, ein positiver Abschluss der Pflichtschule bis zum 18. Lebensjahr, muss für jene gesetzlich sichergestellt werden, die keinen positiven Abschluss der 9. Schulstufe erreichen. Die Sekundarstufe soll einerseits den Weg in weiterführende Schulen, andererseits auch jenen in die duale Ausbildung ebnen. Die Gleichwertigkeit dieser Ausbildungswege ist durchgängig zu betonen.
Ein selbstständiger Ausbildungszweig für Sonderpädagogik muss an der Pädagogischen Hochschule wiedereingeführt werden. Vorarlberg braucht besondere pflegerische Angebote für Kinder, die durch ihre Beeinträchtigung nicht klassisch beschulbar sind. Das Konzept zur Förderung in Kleingruppen für verhaltensauffällige Kinder ohne sonderpädagogischen Förderbedarf soll umgesetzt werden. Im Bereich der Ausbildungen für Lehrpersonal im Umgang mit autistischen Kindern ist eine Ausweitung und Professionalisierung notwendig. In Vorarlberg sind bereits jetzt Integrationsklassen und Kleinklassen oft im selben Schulgebäude untergebracht. Es dürfen keine Sonderschulstandorte mehr aufgelöst werden.
Ein eigenes Aufnahmeverfahren für das Gymnasium bzw. die Sekundarstufe II (BORG, HTL, HAK, HLW, HLT etc.) soll zusätzlich zur Volksschulnote bzw. dem Abschlusszeugnis der 8. Schulstufe über die Aufnahme entscheiden, um eine mögliche Abhängigkeit vom sozioökonomischen Status der Eltern auszuschließen.
Die neue Reifeprüfung, die seit 2015 in Kraft ist, ist durch „Corona-Maßnahmen“ seit 2020 weiter „verwässert“ worden. Österreich entschließt sich zu einer „echten Zentral Matura“ nach bayrischem Vorbild (z.B. mit Literaturkanones in allen Sprachen). Aus Gründen der Qualitätssicherung ist die Wiedereinführung des – 2020 abgeschafften – externen Maturavorsitzes dringend notwendig. Ebenso soll die Einberechnung der Zeugnisnote bei der mündlichen Matura wieder abgeschafft werden. Im Bereich der psychischen Gesundheit sind mehr Ressourcen für Bundesschulen notwendig.
Die Ausbildung der notwendigen Anzahl von Pflichtschullehrern in Vorarlberg muss gewährleistet sein. Daher soll diese auch verstärkt berufsbegleitend erfolgen, wobei insgesamt eine Ausbildungsdauer von drei Jahren ausreichend ist. Die Lehrerweiterbildung soll in Kooperation mit der Erwachsenenbildung erfolgen. Die Qualität der Angebote bei der Erwachsenenbildung und Fortbildung muss hinterfragt und verbessert werden.
Im Interesse der Qualitätssicherung und zur eigenen Standortbestimmung für die Schüler ist zur Halbzeit der dualen Berufsausbildung eine praktische Prüfung abzulegen. Durch einen Qualitätsbonus für Lehrlinge und Ausbildungsbetriebe sollen entsprechende Erfolgsnachweise honoriert werden. Die duale Ausbildung ist ein echtes Erfolgsmodell, bei der durch Berufsschule auf der einen und Lehre im Betrieb auf der anderen Seite Theorie und Praxis eng miteinander verbunden sind. Diese wirkungsvolle Verbindung von Theorie und Praxis garantiert wirtschaftlichen Erfolg. Daher braucht es ein ausgewogenes Verhältnis von Maturanten, Akademikern und Fachkräften aus dualen Ausbildungswegen. Die duale Akademie soll verstärkt gefördert werden.
„Schulpreise“ helfen in der täglichen Arbeit nicht weiter, verstärkt soll es Preise für Schulkinder (Sprachen, Rhetorik, MINT, etc.) geben.
Mittel-, Polytechnische - und Allgemeine Sonderschulen müssen in einer vertretbaren Entfernung zum Wohnort der Eltern sein. Schulische Testungen (PISA, PIRLS, BIST, TIMSS, etc.) sind so zu gestalten, dass sie für die Lernenden notenwirksam werden und den österreichischen Lehrplänen entsprechen. Der administrative Aufwand an Schulen muss dringend reduziert werden. Um die einzelnen Schultypen qualifiziert weiterentwickeln zu können, muss die fachspezifische Schulaufsicht wiedereingeführt werden. Das Konzept Direktor muss im Dienstrecht überarbeitet und besser bezahlt werden, um weiterhin geeignetes Personal zu finden.
Die Qualität der Schule steht und fällt mit der Qualität der Lehrenden. Um dem allgemeinen Mangel an pädagogischem Personal entgegenzuwirken, muss das Berufsbild durch verschiedene Maßnahmen attraktiver gestaltet werden. Dazu gehören faire Bezahlung, ein modernes Dienstrecht mit Rücksichtnahme auf die Herausforderungen des schulischen Alltags sowie eine hohe Qualität in der Ausbildung. Auch sollen Anreize geschaffen werden, die das Weiterarbeiten über das Pensionsalter attraktiv machen. Die pädagogische Ausbildung der Quereinsteiger muss ausgebaut werden. Ein fachliches 1:1 Mentoring für Junglehrer und Quereinsteiger soll angedacht werden. Das Lehramtsstudium ist weiterhin erstrebenswert und fachliche Kenntnis soll weiterhin hohen Stellenwert genießen. Auch sollen Anreize geschaffen werden, die das Weiterarbeiten über das Pensionsalter attraktiv machen.
Damit Lehrende ihrer anspruchsvolleren Tätigkeit nachkommen können, müssen sie durch Fachkräfte für soziale Arbeit, Erziehende, psychologische Fachkräfte, etc. in Aufgaben unterstützt werden, für die sie nicht zuständig sind. Die administrative Entlastung muss in Brennpunktschulen verstärkt durchgeführt werden. Führungspersönlichkeiten im Schulbereich, insbesondere für Leitung einer Direktion, müssen deutlich besser bezahlt werden. Die neue Ressourcenzuteilung mittels Sozialindex sowie die Erhöhung der administrativen Entlastung für das Lehrpersonal sind dezidiert zu begrüßen.
Analog zur neu eingeführten „Community Nurse“ soll auch das System der „School Nurse“ ausgebaut werden. Als Ansprechperson und Informationsdrehscheibe soll diese die Aufklärungsarbeit über gesunde Ernährung, Gesundheitsvorsorge und andere gesundheitsrelevante Themen für Schulkinder leisten. Diese soll eine Ergänzung zu den Schulärzten sein. Die Schulen sollen bei der Suche nach Kantinenbetreibern verstärkt unterstützt werden.
Weiterbildungsmaßnahmen müssen rechtzeitig einsetzen, um Arbeitslosigkeit präventiv zu bekämpfen.
Die (kostenlosen) Abendschulen des Bundes sollen der Erwachsenenbildung übergeben werden. Vorarlberg hat eine leistungsfähige Erwachsenenbildungslandschaft, die auch aufgrund ihres hohen Anteils ehrenamtlich Tätiger in besonderer Weise förderungswürdig ist. Dafür stellen Bund und Land die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung. Die Angebote der Weiterbildungseinrichtungen sind mit den Aufgaben des öffentlichen Schulwesens in regelmäßigen Abständen abzustimmen und zu koordinieren. In Vorarlberg kann die Organisation der internationalen Schule durch die Erwachsenenbildung übernommen werden.